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| 2006/01/02 eCommerce wird noch langen Atem benötigen Schneller, sicherer, vertrauenswürdiger. Nicht von der Neuinterpretation der olympischen Idee ist die Rede, sondern von der Entwicklung des eCommerce in Österreich. Zerfällt eCommerce endgültig in die Gruppe der global Player und der Adabeis? 4,4 Millionen Österreicher über 14 Jahre haben Zugang zum Internet, knapp 4 Mio. nutzen das Internet auch und immerhin 2,4 Millionen haben schon einmal im Internet eingekauft. Geht es nach dem Austrian Internet Monitor von Integral. Etwa 1,7 Mio. hatten innerhalb der letzten drei Monate eingekauft, etwa 600.000 Bücher, 250.000 Kleidung und Schuhe und 350.000 buchten Reisen, Flüge oder Hotels. Laut Christian Rupp, PR-Sprecher des Bundeskanzleramts zu eGovernment, liegt Österreich beim Onlineangebot der Behörden EU-weit an zweiter Stelle. Die Breitbanddurchdringung, also Datenanbindungen ab 512 kbit/s, die als Voraussetzung für multimediale Internetnutzung angesehen wird, ist in Österreich nicht überragend, liegt aber laut ecaustria im EU-15-Schnitt. Erinnert man sich 10 Jahre zurück, an 14,4 kbit/s-Modems und an den 64kbit/s-ISDN-Anschluss als "Breitbandalternative" der Telekom Austria, dann kann der Punkt "schneller" als erledigt abgehackt werden. Alles paletti. Oder? Der Internetnutzer ist - noch immer - jung, männlich und technikfixiert. Solange Online-Shopping als Mutprobe gilt, wo man sich über jeden Abenteuerlustigen freut, kann nicht von Erfolg gesprochen werden. Die niedrige Behaltefrequenz sollte Onlineanbieter im zehnten eCommerce-Jahr alarmieren. Auch die Artikelpalette ist kein Grund zur Euphorie. Den 350.000 Ferienbuchern stehen etwa 1,8 Millionen tatsächliche Urlauber gegenüber. Mit 250.000 Online-CD-Käufern hätte die Kopierindustrie allen Grund zur Sorge und die Gruppe mit dem größten Online-Angebot und dem härtesten Preiskampf, Computer-Hardware, wird mit 150.000 Käufern zu einem Randgruppenphänomen. Will eCommerce ernst genommen werden, darf er sich nicht an den Wachstumszahlen der Vergangenheit messen, sondern am Gesamtpotential. 7 Millionen Konsumenten gegen 1,7 Millionen Gelegenheits-Shopper, 1,8 Mio. Urlauber gegen 350.000 Onlinebucher, 150.000 PC-Käufer gegen 2 Millionen Computer in Haushalten lautet das Match. Laut Statistik Austria beträgt der Anteil der Internethaushalte 47%, was nur ein geringfügiges Wachstum gegenüber dem Vorjahr darstellt (45%). Offenbar ist eine Sättigung im Internetbereich erreicht. 2003 haben Konsumenten um rund eine Mrd. EUR online eingekauft (neuere Zahlen existieren nicht), das entspricht etwa 3% des Einzelhandelsvolumens. Soweit die ernüchternde Realität. Kaufhemmung Stieg in den letzten zehn Jahren Internet die Anschluss-Geschwindigkeit um etwa das 30(!)-fache, fehlen diese Fortschritte im Sicherheitsbereich. Teilweise ist sogar eine gegenteilige Tendenz zu beobachten. Die Internetsecurity-Organisation CERT berichtete 2003 von 137.000 gemeldeten Zwischenfällen, was gegenüber 1995 einer Steigerung um das 57-fache entspricht. Seit 2004 werden keine Zahlen mehr publiziert. Microsoft freut sich zwar, dass die Zahl der kritischen Sicherheitswarnungen in einem Zeitraum von zwei Jahren von 66 (bei Windows 2000) auf 35 (bei Windows 2003) zurückgegangen ist, doch was würde dieser "Fortschritt" in der Welt der realen Waren bedeuten? Statt 66 mal müßte bei einer Ware 35 mal eine Rückrufaktion gestartet werden. Die auch in Österreich massiv zunehmenden Phishing-Attacken, verunsichern die Internetnutzer mehr, als sie tatsächlich Schaden anrichten. Spam, Phishing, Würmer, instabile Betriebssysteme und eine aggressiv geführte Urheberrechtsdiskussion bilden eine brisante Mischung, die immer mehr Menschen gegenüber dem Internet misstrauisch werden lässt. Microsoft hat im April'05 mit großem Werbeaufwand die Initiative "sicher-im-internet" gestartet und freute sich nach fünf Monaten über gerade 65.000 Besucher der gleichnamigen Website, ein Prozent der österreichischen Internetnutzer. Tatsächlich steuert die eBusiness-Industrie in ein gefährliches Abseits. Anstatt die drängenden Sicherheitsfragen zu lösen, wird über Sicherheit diskutiert. Vergleichbar, als würde man nach jedem Autocrash über die Notwendigkeit vorsichtiger zu fahren diskutieren, statt das Auto mit Bremsen, Airbag, ABS oder Sicherheitsgurten auszustatten. So liegt der Anteil der Online-Shops, die verschlüsselte Übertragung vertraulicher Daten anbieten noch immer weit unter 50%. Trotz vorhandener und kostengünstiger Technik. "Sicherer" im Internet? Leider nein. Sind also die 5,3 Millionen Shopping-Verweigerer die Realisten und die 1,7 Millionen Online-Shopper jene irrationalen Lemlinge, die sich trotz aller Sicherheitsrisken in die Abgründe des eCommerce stürzen? Oder sind die Sicherheitsbedenken bloß paranoider Ausdruck von Technikfeindlichkeit und die 1,7 Millionen Shopper sind die rationale Elite, die die realen Gefahren richtig durchschaut hat? Die Antwort liegt in der "Vertrauenswürdigkeit". Die 1,7 Millionen Shopper halten das Internet für vertrauenswürdig, die anderen eben nicht. So einfach ist das. Fortschritte beim Versuch Vertrauenswürdigkeit herzustellen sind erkennbar, doch urösterreichisch langsam. Wenn es vier(!) Jahre dauert, eine EG-Richtlinie zur elektronischen Rechnungslegung - nein nicht anzuwenden - sondern überhaupt in den Köpfen der Verantwortlichen zu verankern, dann ist das kein Sieg des Vereins zur "Entschleunigung der Zeit", sondern schlicht Ignoranz gegenüber der Notwendigkeit in der Onlinewelt neu Wege zu gehen. Tatsächlich wurde in den letzten Jahren einiges in benutzerfreundlichere Shopsysteme, zusätzliche (vertrauenswürdige) Zahlungsmethoden, die im Prinzip auf Treuhandbasis funktionieren und in breitere Shopangebote investiert. Offenbar zu wenig zielgerichtet und zu wenig konsequent. Neue Ansätze sind gefragt Multi-Channel-Vertrieb Neue Logistikansätze Neue Kundenzugänge Neue Bestellabläufe Vielleicht ist es sinnvoller, den Kunden einen Konsumwunsch mehr oder minder frei formulieren zu lassen und ihm dann per Rückmail oder Rückruf geeignete Produkte anzubieten, anstatt ihn im XXX-Megastore vor 100.000 Varianten verzweifeln zu lassen. Beratung statt Unterhaltung wünscht man sich angesichts vieler flashender, blinkender und popup-ender Online-Shops. Das look-a-like-model bei mango, dass uns Mode ausprobieren lässt oder das Amazon-Vorschlagswesen "Besucher, die Buch xy kauften, kauften auch ..." sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Warum aber nicht ein individuelles Model mit den eigenen Maßen? Unparteiische Shop-Bewertung Onlinehandel hat noch verschwindend kleinen Marktanteil Der mit Abstand größte Onlinehändler, Amazon, kommt auf einen Jahresumsatz von weltweit 6 Mrd. EUR. Umgelegt auf Österreichs Einzelhandel wären dies gerade 16%. Die 6 Mrd. EUR sind weniger als der Umsatz des deutschen Versandhändlers Karstadt/Quelle oder gerade 40% des Otto-Konzerns. Warum ist der Otto-Versand die Nummer zwei im Onlinehandel? Warum ist die deutsche Schlecker-Kette im Drogeriebereich auch in Österreich Nummer eins? Warum sind spanische und schwedische Modeketten im Onlinehandel führend und nicht Fürnkranz und Co? Was hindert österreichische Anbieter ebenfalls EU-weit zu agieren? Auch wenn das Online-Geschäft noch klein ist, zeigen sich schon deutliche Differenzierungen. Eine relativ geringe Zahl von Marktplätzen besetzt einen relativ hohen Umsatzanteil. Österreicher ist keiner darunter. 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